Bis nachts um drei wird geübt

23. Juni 2010

Märkische Oderzeitung, Henriette Brendler

 

Konzertpianistin Gerlint Böttcher tourt durch die Welt… Fürstenwalde Gerlint Böttcher spielt mit renommierten Orchestern in ganz Deutschland, tourt durch Europa, den Nahen Osten, die USA und hat erst kürzlich eine neue CD herausgebracht. Zwischendurch zieht es die Konzertpianistin aber immer wieder in die Region - und das nicht nur beruflich - denn aufgewachsen ist sie in Briesen, wo ihre Eltern noch bis vor einigen Jahren eine Apotheke führten. Eigentlich habe sie für eine Pianistin relativ kleine Finger, sagt Gerlint Böttcher. Ganz nach oben hat sie es dennoch geschafft, und wenn sich die Musikerin an den Flügel setzt und die ersten Takte von Franz Schuberts (1797-1828) Impromptu Nr. 4 in As-Dur anstimmt, wird dem Zuhörer auch klar warum: Sie interpretiert ihre Stücke nicht nur ausdrucksstark und technisch auf höchstem Niveau, sondern verleiht der Musik gleichzeitig eine perlende Leichtigkeit. Selbst wenn ihr das Talent in die Wiege gelegt wurde, hinter dem virtuosen Klavierspiel steckt jahrzehntelange Übung, mit der Gerlint Böttcher einst vor 35 Jahren in der Fürstenwalder Musikschule begann. „Damals haben meine Eltern mich zum Klavier- und meine Schwester zum Geigenunterricht angemeldet“, erinnert sich die zierliche Künstlerin. Als Kind sei ihr das Üben zwar manchmal schwer gefallen, aber nur bis sich die ersten Erfolge einstellten. „Mit 14 habe ich dann freiwillig stundenlang am Klavier gesessen“, so Gerlint Böttcher. Dieser Ehrgeiz verhalf ihr ein Jahr später zum ersten großen Solokonzert mit dem Philharmonischen Orchester Frankfurt (Oder) und zur Aufnahmeprüfung an der Berliner Musikhochschule „Hanns Eisler“. Die Prüfung bestand das Nachwuchstalent auf Anhieb und tauschte die Briesener Schulbank gegen einen Platz als Jungstudentin bei Professorin Renate Schorler. Im Alter von 23 Jahren hatte Gerlint Böttcher bereits ihr Solistenexamen in der Tasche, zwei Jahre später das Konzertexamen - mit Auszeichnung. Es folgten erste Preise bei internationalen Musikwettbewerben, Engagements bei den Berliner Symphonikern, in Jena, Westfalen und im Ausland. 2003 erschien schließlich ihre erste CD mit Klavierkonzerten von Ravel, Liszt und Prokofjew. Auf ihrer aktuellen CD widmet sich die in Königs Wusterhausen lebende Pianistin dagegen einem fast vergessenen Komponisten: dem Tschechen Jan Václav Voríšek (1791-1825). „Er hat viele virtuose, originelle Rhapsodien geschrieben und neue Formen geschaffen, von denen sich sogar Franz Schubert inspirieren ließ“, erklärt die Künstlerin. Beide Komponisten seien auf ihre Weise Bindeglieder zwischen Klassik und Romantik. Aufgrund dieser Parallelen sind auf der CD - die übrigens im MDR-Studio in Leipzig aufgenommen wurde - neben acht Rhapsodien auch die vier Impromptus von Voríšeks Zeitgenossen Schubert zu hören. An Bodenhaftung hat Gerlint Böttcher trotz ihres Erfolges über die Jahre nicht verloren. Immer noch bereitet sie sich akribisch auf neue Konzerte vor, übt manchmal bis nachts um 3 Uhr und lehrt außerdem an der Hochschule „Hanns Eisler“. Selbst ihrer alten Heimat ist die gebürtige Briesenerin irgendwie treu geblieben: Zum einen tritt sie immer wieder in der Region auf - das nächste Mal am 18. September im Alt Madlitzer Gut Klostermühle - und zum anderen kommt sie regelmäßig in die Spreestadt, um…ihre Eltern zu besuchen. Die sind nämlich vor einigen Jahren nach Fürstenwalde gezogen.