
Esprit und Leidenschaft gezeigt
Westfälische Nachrichten, Axel Engels, Fotografie © Engels
Warendorf. Esprit und Leidenschaft, dazu eine leicht virtuose Ausrichtung - mit einem mitreißenden Klavierabend verwöhnte die Pianistin Gerlint Böttcher am Sonntag beim Abschluss der Saison 2013/14 der Galeriekonzerte die vielen Liebhaber feinster Pianistik. Für den Beginn hatte sich die sympathische Künstlerin mit der "Sonate op. 31 Nr. 3 Es-Dur von Ludwig van Beethoven ein Werk gewählt, bei dem schon mit den ersten Takten sich zeigt, über welche gestalterischen Fähigkeiten der Interpret verfügt. Denn rein spieltechnisch stellt diese glanzvolle Sonate nicht die größten Herausforderungen, ihr Reiz und damit die Schwierigkeit liegen auf einer ganz anderen Ebene. Denn zwischen pianistischer Bravour gilt es die fragmentarisch aneinandergereihten Motive miteinander in einen inneren Zusammenhang zu bringen, gleichzeitig die starken Gegensätze bei den rasanten Figurationen in dieses Konzept zu integrieren.
Gerlint Böttcher gelang dies mit kultiviertem Anschlag und farbenreichem Klang, den sie ganz in den Dienst des Ausdrucks stellte. So zeigte sie feinsinnigen Humor beim Scherzo, fast galante Spielweise beim Menuett und beim großartigen Finalsatz konnte sie ihrem Temperament und Spielfreude freien Lauf lassen. Sie präsentierte nicht einen oftmals anzutreffenden auf Effekte angelegten "Beethoven", sondern spürte seiner ganz markanten Sprache mit spürbarem Respekt sehr sensibel nach.
Dass sie wohl auf dem Instrument keinerlei spieltechnische Einschränkungen hat, bewies sie danach mit drei großen Etüden aus der Feder von Franz Liszt. Diese Werke gehören zur Meisterschaft pianistischer Kunst, auch wenn ihr musikalischer Inhalt oftmals hinter der auf Brillanz ausgelegten Art von Franz Liszt zurücktritt.
Aber Gerlint Böttcher nutze all ihre Virtuosität und Spieltechnik ganz im Dienste einer großen klanglichen Ausgestaltung, bei ihr konnten die Melodien über dem virtuosen "Beiwerk" ihre ganze Schönheit entfalten. So mystisch und ausdrucksstark wie bei ihr hört man die Konzertetüde "Gnomenreigen" wohl nur selten.
Nach der Pause widmete sie sich mit Jan Václav Voríšek einem Komponisten, der den meisten Zuhörern wohl bisher unbekannt war. Der in Ostböhmen geborene Komponist war gleichzeitig ein ganz exquisiter Pianist, der die Möglichkeiten des Instrumentes bestens auszunutzen wusste. Als Zeitgenosse von Beethoven, der sich über seine Rhapsodien op. 1 sehr lobend äußerte, muss er sich wohl mehr den emotionalen Inhalten der Musik gewidmet haben. Denn neben einer technischen Brillanz zeigt sein Werk eine tiefe Innerlichkeit und Reife. Dies kam bei den drei Werken Rhapsodien op. 1 Nr. 1,9 und 10 stark zum Ausdruck, hier bestach Gerlint Böttcher mit einer sehr lyrischen Melodieführung über filigranen Begleitfiguren. Klanglich differenziert und sehr innig gespielt waren diese Werke für die Zuhörer eine Bereicherung.
Dass sie aus der "Suite Bergamasque" von Claude Debussy das allseits bekannte "Clair de Lune" wählte, passte zum programmatischen Aufbau dieses Klavierabends. Denn hier konnte sie ihr gestalterisches Vermögen konsequent einsetzen, erhob sich feinsinnig geführt über den "heimlichen" Klängen strahlend die wunderbare Melodie.
Für den Abschluss wählte sie mit der "Sonate Nr. 2 d-Moll op. 14" von Sergei Prokofjew ein Werk, bei dem sie ihrer ganzen Spielfreude freien Lauf lassen konnte. Fast klangmalerisch setzte sie die verschiedenen Stimmungen in einen interessanten Kontrast, wusste den rhythmisch bestimmten Grund in ihr Konzept eindrucksvoll zu integrieren.
Nach diesem eindrucksvollen Beispiel pianistischer Kunst bedankte sie sich mit einer "Humoreske" beim begeisterten Publikum für die ihr dargebrachten Ovationen.
Bildunterschrift:
Esprit und Leidenschaft, dazu eine leicht virtuose Ausrichtung - mit einem mitreißenden Klavierabend verwöhnte Pianistin Gerlint Böttcher am Sonntag beim Abschluss der Saison 2013/14 die vielen Liebhaber feinster Pianistik.