Fesselnde Leidenschaft am Piano

29. Juni 2013

Mitteldeutsche Zeitung, Marie-Luise Graichen, Fotografie © Frank Gehrmann

 

Gerlint Böttcher spielt zur Stunde der Musik Beethoven, Liszt und Debussy

ASCHERSLEBEN/MZ - Mit packender Ausstrahlungskraft und voller Leidenschaft fesselte die Pianistin Gerlint Böttcher mit einem Klavierabend am Mittwochabend das Ascherslebener Publikum. Als Solistin renommierter Orchester gastierte die Berlinerin bereits auf vielen Konzertbühnen der Welt und ist mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe.

 

Erwartungsvoll und gespannt empfing dann auch das Publikum, das sich sehr zahlreich im Rahmen der Stunde der Musik eingefunden hatte, den prominenten Gast. Innerhalb des Programms entpuppte sich die Künstlerin als Mittlerin verschiedener Stilepochen, wobei sie mit großer Brillanz alle Stücke ihres Programms harmonisch miteinander vereinigte. Den Auftakt des Konzertabends gab Böttcher mit einer viersätzigen Sonate von L. v. Beethoven, wobei der dritte Satz "Menuetto-Moderato e grazioso" mit besonders melodischen und leisen Melodien daherkam und apart faszinierte. Mit drei Etüden von Franz Liszt bescheinigte h die Pianistin ein weiteres Mal ein Höchstmaß an Perfektion und technischem Können. Nach fast sanften und leisen Passagen in den "Etüden Des-Dur" und "Paganini-Etüde Nr.2, Es-Dur", verlangte "Gnomenreigen" mit rasenden Tempi der Pianistin alles ab.

 

Sie meisterte es mit Bravour wie auch drei Rhapsodien des zu Unrecht weniger bekannten tschechisch-österreichischen Komponisten Jan Vaclav Vorisek. Mühelos und mit klarem Ausdruck ihres Könnens stellte sich Gerlint Böttcher den großen Anforderungen an technischer Virtuosität und erntete somit wiederholt viel Beifall durch das Publikum. Mit Claude Debussy wandte sich die Pianistin einem Komponisten des 19./20. Jahrhunderts zu, der sich nach eigenen Aussagen im Wesentlichen an "malerische" musikalische Impressionen hielt. Ähnlich wie bei impressionistischen Malern, wo Farben das Wesen und die Gefühle des Künstlers ausdrücken, hielt sich Debussy an die "Farbwerte der Klänge" in seinen Kompositionen. In der charakteristischen Folge langsam-lebhaft war dann auch "Clair de Lune" aus "Suite Bergamasque" zu genießen. Ganz zart und einfühlsam übernahm die Virtuosin mit dem Wiegenlied "Guten Abend, gute Nacht" von Johannes Brahms die Überleitung zu einem äußerst kraftvollen Konzertabschluss - der "Sonate Nr. 2 in d-Moll" von Sergej Prokofjew. Dieses Werk gilt als eines der anspruchsvollsten Klavierwerke russischer Klavierkunst und erfordert ein Höchstmaß an Perfektion. Mit überraschender Technik und Ausdruckskraft stellte sich die zierliche Musikerin der Aufgabe und erreichte im vierten Satz "Vivace" "ihren virtuosen Höhepunkt" des Abends. Mit anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen honorierte das begeisterte Publikum die Meisterleistung, ohne auf eine Zugabe zu verzichten. Mit Schtschedrins "Humoresque", einem kurzen und heiteren Instrumentalstück, verabschiedete sich Gerlint Böttcher endgültig vom Ascherslebener Konzertpublikum.

 

Bildunterschrift:

Gerlint Böttcher brilliert am Flügel.